Ausgabe 01 UA
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Stadtraum · 6 min

Die Rückkehr der Arkade: überdachter Stadtraum im 21. Jahrhundert

Hitze, Starkregen, verwaiste Plätze: Ausgerechnet die älteste Bauform der Stadt gibt gerade die modernste Antwort. Warum der überdachte Gang zurückkehrt, im Ressort Stadtraum.

Zeitgenössischer überdachter Gang mit hellen Betonstützen und begrünter Decke, weiches Licht fällt zwischen schlanken Pfeilern auf einen ruhigen Fußweg
Zeitgenössischer überdachter Gang mit hellen Betonstützen und begrünter Decke, weiches Licht fällt zwischen schlanken Pfeilern auf einen ruhigen Fußweg

Es gehört zu den schönsten Ironien der Baukunst, dass die Zukunft der Stadt gerade jetzt bei ihrer Vergangenheit in die Lehre geht. Während Planerinnen und Planer nach Antworten auf Hitze, Starkregen und die Vereinsamung des öffentlichen Raums suchen, taucht immer dieselbe alte Figur wieder auf, geräuschlos, fast verlegen, als hätte sie nie weggekonnt: der überdachte Gang. Die Arkade kehrt zurück, und diesmal nicht als Zitat, sondern als Lösung.

Im Ressort Stadtraum verfolgen wir diese Rückkehr in der Gegenwart. Sie ist keine Modeerscheinung, sondern die naheliegende Konsequenz aus Fragen, die immer drängender werden.

Die Stadt wird zu heiß, zu nass, zu leer

Drei Entwicklungen treffen die Stadt gleichzeitig, und alle drei laufen auf dasselbe Bedürfnis hinaus:

  • Die Hitze. Sommer werden länger und schärfer, versiegelte Plätze heizen sich auf, offene Wege werden zur Zumutung. Man braucht Schatten, der nicht erst wächst.
  • Der Regen. Starkregen kommt plötzlich und heftig. Wer draußen unterwegs ist, braucht Orte, die trocken bleiben, ohne dass man in ein Gebäude fliehen muss.
  • Die Leere. Zugige, ungeschützte Plätze bleiben verwaist. Menschen halten sich dort auf, wo es sich aushalten lässt.

Auf jede dieser Fragen gibt der überdachte Gang seit Jahrhunderten dieselbe, verblüffend einfache Antwort: ein Dach über einem offenen Weg. Er spendet Schatten und hält den Regen ab, ohne den Raum zu verschließen, und schafft genau die geschützte Offenheit, in der Menschen gern verweilen.

Was die Gegenwart neu hinzufügt

Die zeitgenössische Arkade übernimmt das alte Prinzip und ergänzt es um die Werkzeuge unserer Zeit. Sie ist selten mehr die steinerne Loggia oder die gusseiserne Passage, sondern oft etwas Hybrides: ein Kragdach über dem Gehweg, eine begrünte Kolonnade, eine tief zurückgesetzte Erdgeschosszone, eine Pergola, die zugleich Schatten spendet und Regenwasser sammelt.

Die neue Arkade ist weniger ein Denkmal als ein Klimagerät, das aussieht wie ein Ort.

Dazu kommt die Begrünung. Wo früher der Stein kühlte, kühlt heute auch das Blatt. Kletterpflanzen an der Pfeilerreihe, Bäume im Rhythmus der Joche, bepflanzte Dächer über dem Gang: Die Arkade wird zur grünen Infrastruktur, die Temperatur senkt, Wasser hält und Luft filtert, und dabei doch der uralten Aufgabe treu bleibt, einen schönen Weg zu schaffen.

Der geschützte Raum, der nicht ausschließt

So sehr die technischen Anforderungen im Vordergrund stehen, das Entscheidende ist ein sozialer Gedanke, den wir im Ressort Stadtraum zum Ausgangspunkt genommen haben: Der überdachte Gang schützt, ohne zu kontrollieren. Er ist kein bewachter Innenraum und kein privatisierter Vorplatz, sondern offener öffentlicher Grund, den jeder betreten darf.

Gerade darin liegt seine Aktualität. In einer Zeit, in der immer mehr geschützter Aufenthalt hinter Türen, Zäunen und Zugangsschranken verschwindet, erinnert die Arkade daran, dass Schutz und Freiheit zusammengehen können. Sie bietet Geborgenheit ohne Ausschluss, ein Dach ohne Schwelle. Sie ist, wie zu Beginn dieser Ausgabe ausgeführt, die humanste Bauform, die die Stadt kennt, und sie ist es unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts erst recht.

Ein Vorbild, das schon gebaut ist

Das Ermutigende an dieser Rückkehr ist, dass niemand die Arkade neu erfinden muss. Die Vorbilder stehen längst: die vierzig Kilometer Portici in Bologna, denen wir im Ressort Bogengänge folgen, die lichten Glaspassagen aus dem Ressort Passagen, die luftigen Kurkolonnaden, von denen die Kolonnaden erzählen, das ganze Formenrepertoire, das Eisen und Glas möglich machten, nachzulesen im Ressort Licht & Glas.

Aus diesem reichen Erbe schöpft die Gegenwart, wenn sie ihre Straßen wieder überdacht, ihre Erdgeschosse öffnet, ihre Wege begrünt. Die Aufgabe ist nicht Rekonstruktion, sondern Fortsetzung. Der überdachte Gang war nie ein Kapitel der Vergangenheit, das man schließt. Er ist ein offener Text, an dem gerade jetzt, in dieser Woche, in vielen Städten weitergeschrieben wird. Und selten war ein so alter Satz so aktuell: Kommen Sie mit unter die Arkaden. Es ist gut hier, bei jedem Wetter.

Ressort: Stadtraum Unter Arkaden